Sonnenplätze auf der Alm 

Almwirt Walter Fercher schneidet seinen selbst gemachten Almkäse auf. Besser als uns kann’s einem eigentlich gerade gar nicht gehen. Wir sitzen auf 1230 Metern in der Sonne an einem Tisch vor der Hermagorer Bodenalm. Vom Weissensee sind wir in 1,5 Stunden herauf gewandert, 400 Höhenmeter bei schönstem Spätsommerwetter – das war eine echte Genusstour. Das alte, teilweise holzverkleidete Bauernhaus hat gemütliche Fensterläden und ist mir Geranien gschmückt. Davor stehen rustikale Holztische. Die Sonne wärmt zur Mittagszeit noch wohlig, aber sie brennt nicht mehr, wie noch im Hochsommer. Wir unterhalten uns mit dem Almwirt über das Leben auf  der Alm und schauen den auf der Wiese spielenden Kindern zu.

Immer von Anfang Mai bis zum Oktober ist Wolfgang Fercher hier oben mit seiner Frau, den Kindern und etwa 30 Milchkühen, das siebte Jahr jetzt schon. „Ich brauche diese Sommer, mir tut das gut“, sagt Fercher, der im Winter als Liftwart bei der Bergbahn arbeitet. Aber man brauche natürlich schon einen engen Bezug zur Natur und zu den Tieren, wenn man sich dafür entscheidet, über viele Wochen eine Alm zu bewirtschaften. Die Kühe sind jetzt, Mitte September, schon wieder unten im Tal. Und wenn das Wetter umschlägt, wird auch Fercher mit seiner Familie die Alm verlassen – bis zum nächsten Sommer. Noch aber kann man seine selbst gemachten Käsespezialitäten als Wanderer hier oben bestellen.

200 markierte Wanderwege

Die Tour zur Hermagorer Bodenalm ist nur eine von vielen aussichtsreichen Wanderungen rund um den See. „Etwa 200 Kilometer markierte Wanderwege haben wir hier“, erzählt uns Ranger Robert Röbl, mit dem wir am Nachmittag am Westufer unterwegs sind. Robert hat schon einige Jobs in seinem Leben gemacht, aber die Arbeit im Naturpark Weissensee ist für ihn die Krönung seines Berufslebens. Das strahlt er aus, das erzählt er auch: „Ich mach das hier unglaublich gern, es ist für mich ein riesengroßes Glück.“ Robert Röbl kümmert sich darum, dass die Markierungen gut sichtbar und die Wege sicher bleiben – und er hilft dabei, die Alpennatur hier zu bewahren: 36 Orchideenarten gibt es rund um den Weissensee, Steinadler und Bartgeier gehören zu den seltenen Vogelarten.

Fishwatching auf dem See

Robert Röbl ist oft auch mit Gästen unterwegs – bei regelmäßigen Wanderungen und Themenrunden: „Back to the Roots“ heißt so eine Spezialtour, bei der man das Überleben im Wald übt. Röbl macht aber zum Beispiel auch Fishwatching für Familien. Dabei fahren die Teilnehmer stehend in einem Boot über den See, um mehr im Wasser zu sehen, und Robert erklärt ihnen die wunderbare Wasserwelt des Weissensees, dessen Ufer zu immerhin 84 Prozent naturbelassen sind.

Tour zum Spitzegel

Und was ist für den Ranger das Allerschönste an seiner Heimat? „Dass alles so ruhig ist, dass man entschleunigen kann, dass jeder ein Platzerl findet, wo er für sich alleine sein kann.“ Robert Röbl geht in seiner Freizeit zum Beispiel gern auf den Spitzegel, mit 2118 Metern einer der höchsten Berge hier. „Da ist man schon oberhalb der Baumgrenze, muss ein bisschen im Fels klettern, wird für den Aufstieg mit großartigen Aussichten belohnt.“ Er hat aber auch Tipps für einfachere Touren: der Norduferweg ab dem Ronacherfels, der wunderschön am See entlang führt, oder eine einstündige Panoramatour hinauf zur „Alm hinterm Brunn“.

Wenn man unterwegs Pause auf einer Bank macht, die nicht verrückbar ist, dann hat sie bestimmt Robert Röbl gezimmert und gut im Boden verankert. Der Holzbänke-Bau ist eine stille Leidenschaft von ihm. „Bei uns gibt’s eigentlich jeden Kilometer eine Bank“, meint der Ranger lachend. 

Eine schöne Idee, so von Bank zu Bank zu wandern – und ab und zu bei einem netten, herzlichen Almwirt wie Wolfgang Fercher einzukehren. Da merkt man die Kilometer in den Beinen fast gar nicht mehr …

Mehr Infos:

https://www.weissensee.com/sommer/wandern-urlaub-kaernten.html

https://www.naturparke.at/naturparke/kaernten/naturpark-weissensee/

http://www.hermagorer-bodenalm.at

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