Alle Farben Blau

Es ist unser erster Abend im Naturpark Weissensee: Mit unseren Leihrädern sind wir nach Techendorf geradelt und halten nun für einen Moment auf der Brücke an, die den See optisch wie in zwei Hälften teilt (wobei das Wasser natürlich unten durch kann). Die Sonne steht jetzt, im Spätsommer, schon knapp über den Bergspitzen. Auf den blumengeschmückten Häusern und der Kirchturmspitze von Techendorf liegt ein Licht, das die Seele wärmt. Die Spitzen der Lienzer Dolomiten leuchten in der Ferne pastellfarben, fast transparent. Ein Angler, der von hier aus wie ein Schattenriss wirkt, steht gleich vorn rechts auf einem der Stege. Drei über die Holzplanken watschelnde Enten leisten ihm, ebenfalls als dunkle Silhouetten, Gesellschaft. Und jetzt fährt auch noch ein leise surrendes Elektroboot durch die Szenerie. Es ist ein wirklich stimmungsvoller Auftakt in der Gemeinde Weissensee, die zum Zusammenschluss der Alpine Pearls gehört.

Glasklares Wasser

Der fjordartige See gilt als Kärntens sauberster Badesee, und man glaubt das sofort, wenn man in das stellenweise türkisfarben leuchtende, klare Wasser schaut. In jedem Fall ist das 11,6 Kilometer lange und bis zu 900 Meter breite Gewässer auf der Südseite der Alpen der höchstgelegene Badesee Kärntens. Im Sommer kann er bis zu 25 Grad Celsius warm werden. 84 Prozent seiner Ufer sind naturbelassen. Trotzdem hat jeder Beherbergungsbetrieb einen Seezugang, den die Gäste nutzen können – eine Wiese, einen Steg oder sogar einen kleinen Strand. Auf dem See bleibt es, auch in der Hauptsaison, überraschend still. Es dürfen nämlich nur wenige „offizielle“ Motorboote, wie etwa die Schiffe der Weissensee Schifffahrt fahren. Gäste können SUP-Boards, Kajaks oder Elektroboote ausleihen.

Hybridlinienschiff MS Alpenperle beim Anleger Paterzipf

Sanfte Mobilität

Schon seit Mitte der 90er-Jahre ist die Kulturlandschaft am und um den Weissensee als Naturpark geschützt. Zu den Alpine Pearls gehört die Gemeinde aber nicht nur deshalb. Auch das Konzept der sanften Mobilität ist in der Gemeinde vorbildlich: Etwa 80 Prozent der Hotels, Pensionen und Apartmenthäuser gehören zu den so genannten Mobilitäts-Partnern. Sie geben an ihre Gäste kostenfrei den Erlebnispass Weissensee mobil+. Der beinhaltet nicht nur den Gratis-Shuttle-Service vom nahe gelegenen Bahnhof in Greifenburg. Man kann mit ihm auch kostenfrei den Naturparkbus und den Wanderbus nutzen, erhält zudem auf viele Angebote wie Leih-E-Boote oder Schifffahrten Ermäßigungen. Und für sechs Euro die Stunde ist auch Fred ausleihbar, ein E-Golf, der bei der Weissensee Information parkt. Einen zusätzlichen Anreiz, sich öfter mal auf andere Fortbewegungsmittel als den eigenen PKW einzulassen, gibt es unabhängig vom breiten Angebot noch: Autofahren bringt hier am Weissensee, um den auch gar keine durchgehende Uferstraße führt, nicht wirklich Spaß. Es gibt nur kostenpflichtige Parkplätze (außer einem „Auffang-“Parkplatz etwas dezentral in Praditz). Und man muss auch fast überall Schritttempo fahren, nicht zuletzt, weil viele Wanderer, Spaziergänger, Familien und Radler unterwegs sind. 

Perfekt eigentlich: ein See, dessen Wege wieder mehr den Menschen gehören, weniger den Autos. Und eine Ferienregion, die wegen ihrer vielseitigen Erholungsangebote alle Urlaubergenerationen anzieht: sportliche junge Gäste, die zum Mountainbiking herkommen: Es gibt 13 Strecken, darunter drei Downhill-Trails und eine Bergbahn, die die Räder transportieren kann. Viele Wanderer machen hier Ferien, um das 200 Kilometer lange Wegenetz zu entdecken. Außerdem sind natürlich Kanuten, Stand-up-Paddler, Badeurlauber, Camper und Angler da. Viele sind Stammgäste. 

Alpe-Adria-Kulinarik

Alle teilen sie die Liebe zu den umliegenden Bergen und zu dem in allen Blau- und Grüntönen schimmernden Gebirgssee. Die Rad- und Wanderwege, die an vielen sonnigen Almen vorbeiführen, geben immer wieder Panoramablicke auf den See frei. Und abends genießt man in einem der vielen Restaurants die leichte, regionale und fischreiche Alpe-Adria-Küche, die die Wirte hier servieren – teilweise sogar in Bio-Qualität.

Auch wir nutzen das abwechslungsreiche Angebot ausgiebig, lieben die vielen Möglichkeiten, die man hier hat, wenn man sich entspannt an der frischen Luft bewegen möchte: Mal fahren wir E-Mountainbike, gehen dann Stand-up-Paddeln, am nächsten Tag wieder wandern wir auf eine der sonnigen Almen hoch überm See. Und wir machen eine interessante Erfahrung: Es geht auch hier, abseits städtischer Strukturen, wirklich gut ohne Auto. Gar nicht erst mitbringen. Oder wenn doch, vor Ort einfach stehen lassen.

Reisen Sie in die Perlen der Alpen

Klimafreundlich ohne Auto, aber mit 100 % Mobilitätsgarantie

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