Es gibt diesen einen Moment, in dem klar wird: Das sind überhaupt keine Wolken da hinten. Beim Bahnfahren gibt der vorbeiziehende Wald das Panorama ja immer bloß für kurze Augenblicke frei, bevor die Aussicht wieder verstellt ist, aber irgendwann auf der Reise Richtung Alpen kommt dieser Moment, da weiß man: Das, was man beim Blick aus dem Fenster für Wolken gehalten hat – das ist Schnee. Und der anthrazitfarbene Streifen darunter: Das sind die Berge. Die meisten Passagiere stellen bei deren Anblick sämtliche anderen Tätigkeiten augenblicklich ein. Legen den E-Reader weg oder die Tageszeitung, drücken die Netflix-Pause-Taste auf ihren Tablets, lassen die Uno-Karten liegen. Stattdessen schauen sie aus dem Fenster. Und diesem himmelstürmenden Panorama entgegen, das  bald schon horizontfüllend sein wird.   

Mit der Bahn in die Alpen: Passender und schöner kann man sich seinem Urlaubsziel nicht nähern. Wer aus dem Norden anreist, für den ändert sich die Landschaft ganz allmählich. Aus dem Flachland werden irgendwann sanft gewellte Hügel, aus Äckern Weiden und aus Industriegebieten kleine Orte, deren Kirchtürme diese zwiebelförmigen Dächer haben, bei deren Anblick man immer an die Bayern-Urlaube früher mit den Eltern denken muss. Und an die „Ich sehe was, was du nicht siehst!“-Runden im Stau, wenn man mal wieder feststeckte auf der A8 oder der 81.

An den Vierertischen im Zug werden andere Spiele gespielt. Richtige, mit Würfeln und Karten. Papa oder Mama müssen auch nicht ständig anfahren und stoppen und anfahren und zunehmend gereizter nach einem Radiosender mit Verkehrsfunk suchen, sondern können mitmachen. Wer mit der Familie im Zug in die Ferien fährt, startet in den Urlaub, noch bevor er im Urlaub ist. Außerdem kann er zwischendurch aufstehen und ins Bordrestaurant oder Bistro laufen. „Die Beine vertreten“, hat man früher dazu gesagt, wenn man auf den überfüllten Parkplatz einer Autobahnraststätte abbog.  

Man sagt ja immer, man müsse beim Reisen der Seele Zeit geben, damit sie nachkommen könne. Im Zug passiert das ganz von selbst. Schon allein deshalb, weil man all das machen kann, für das zuhause keine Zeit ist (und im Aktivurlaub in den Alpen möglicherweise später ebenfalls nicht …) Lesen. Filme schauen. Oder Musik hören, die sich beim Zugfahren ja gerne wie ein Soundtrack über die Landschaften legt, die am Fenster vorbei ziehen. So gut wie alle Reisenden nicken auf so einer Fahrt irgendwann übrigens mal kurz weg. Und fragen sich beim Aufwachen dann später, ob das tatsächlich Wolken am Horizont sind oder möglicherweise doch schon – genau.

Reisen Sie in die Perlen der Alpen

Klimafreundlich mit der Bahn, aber mit 100 % Mobilitätsgarantie

Fotos: ©AdobeStock/PixHound, AdobeStock/luisawhr

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