Die Türen der leuchtend roten Gondel werden geschlossen, das Abfahrtsignal ertönt, langsam setzt sich die Predigtstuhlbahn in Bewegung. Von nun an geht es im Leben der maximal 22 Passagiere plus Schaffner steil bergauf, genauer gesagt um 1140 Meter – die Bergstation nah am Gipfel des hiesigen Hausbergs Predigtstuhl befindet sich in 1583 Meter über Normal Null. Die maximale Steigung der Bahn beträgt stolze 75 Prozent, Fahrgeschwindigkeit 18 km/h, ziemlich exakt achteinhalb Minuten dauert die lautlose Nostalgie-Tour – und die Ausblicke unterwegs sind atemberaubend.

Als älteste im Original erhaltene, ganzjährig verkehrende Großkabinenseilbahn der Welt bringt die Predigtstuhlbahn seit 1928 zuverlässig ihre Gäste hinauf auf den Berg, zu Fuß würde man gut und gerne drei Stunden benötigen. Oft auch als „Grande Dame“ der Alpen bezeichnet, erfreut sich das zum technischen Denkmal erklärte Transportmittel dabei bester Gesundheit, einer liebevollen und sorgsamen Pflege und Wartung sei Dank. 

Die Steuerung und der 150 PS starke Antrieb befinden sich in der Bergstation, wo heute wie damals ein Maschinist nach dem Rechten sieht. Das Original-Seil wird regelmäßig gespannt, noch ist für ein paar Jahre genug auf der Rolle. Stets fahren zwei Kabinen synchron berg- bzw. talwärts, wobei der hinabgleitende Wagen den anderen quasi hinaufzieht und so für eine größtmögliche Energieeffizienz sorgt. Die mächtigen Stützen und die Berg- und Talstation sind Vertreter der „Neuen Sachlichkeit“, einer kurzen Architekturepoche zwischen Jugendstil und beginnendem Bauhaus. 

Auch das Bergrestaurant, frisch saniert, ist im Stil der 1920er-Jahre gehalten. Von seiner weiten Sonnenterrasse ist der Ausblick auf Bad Reichenhall und die umliegenden Gipfel ganz einfach grandios. Kein Wunder, dass die Menschen vor Ort ihren Hausberg und die Predigtstuhlbahn tief in ihr Herz geschlossen haben. Die Talstation ist übrigens ganz bequem ohne Auto erreichbar und die einzige Bergbahn mit direktem Anschluss an das europäische Eisenbahnnetz (Station Bad Reichenhall – Kirchberg) – nicht umsonst ist Bad Reichenhall Alpine Pearls-Mitglied.

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Quelle Titelbild: ©Klaus-Gunter Jacobi/AdobeStock

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